• Der richtige Riecher

Der richtige Riecher

12.05.2021 AGNES ZAVALA, Journalistin, Zürich

Raumbeduftung – Gerüche sorgen ebenso für ein angenehmes Wohnambiente wie Licht oder Farben. Es lohnt sich also, in den eigenen vier Wänden auch der Nase etwas Gutes zu tun.

Frisch gebackener Kuchen in der Küche oder fein duftendes Badewasser in der Wanne – der Geruchssinn ist eine keinesfalls zu unterschätzende Komponente, gerade auch daheim. Die Wahrnehmung über die Nase funktioniert blitzschnell und oft intuitiv und wirkt sich direkt auf unser Wohlbefinden aus, indem im Gehirn eine emotionale Reaktion ausgelöst wird. So kann ein bestimmter Duft eine heimelige Atmosphäre schaffen, Erinnerungen wachrufen, den Appetit anregen, beim Entspannen helfen – oder uns angewidert das Gesicht verziehen lassen.

Der Nase nach

Bei der Einrichtung des Zuhauses sollten daher olfaktorische Überlegungen unbedingt berücksichtigt werden. Dabei geht es nicht nur um die Beseitigung unangenehmer Gerüche, sondern um eine bewusste Raumbeduftung, die eine angenehme, dezente und oft unbewusst wahrgenommene Grundstimmung schafft.

Natürlich kommt es hier sehr stark auf die individuellen Vorlieben an. Aber dennoch kann Felix Hoffmann, Inhaber der Raum und Duft Konzept AG aus Baden, einige Trends beobachten: «Klassiker aus der Aromatherapie wie beruhigende Lavendeldüfte sind immer gefragt, ebenso erfrischende Pfefferminze, ausgleichende Rose oder holzig-ledrige Noten. Am beliebtesten sind bei unseren Kunden allerdings die Zitrusfrüchte, allen voran die vitalisierende und aromatische Orange.» 

Da Menschen sehr unterschiedlich auf Düfte reagieren, empfiehlt Roland Jaggi, dass man sich bei der Auswahl genügend Zeit lässt. «Wir haben die Erfahrung gemacht, dass unsere neutralen Parfums am besten bei den Kunden ankommen. Also beispielsweise dasjenige, das nach frischen Feigen oder dem Mittelmeer duftet», sagt der Geschäftsführer und Inhaber der Firma aireau AG in Dottikon. Neben dem Proberiechen ist es ausserdem wichtig, dass man sich im Klaren darüber ist, was man mit der Raumbeduftung im Eigenheim bezwecken beziehungsweise wann oder zu welcher Jahreszeit man sie einsetzen will. So passt ein Blütenduft besser zum Frühling, ein warmer Zimthauch dagegen in die Adventszeit.

Dufte Qualität dank Geräten

Grundsätzlich wird zwischen natürlichen und synthetischen Düften unterschieden – ein häufig sehr intensiv und kontrovers diskutiertes Thema. Die natürlichen Varianten werden direkt aus der Pflanze oder organischen Materialien gewonnen und finden zum Beispiel als ätherische Öle Anwendung. Sie sind allerdings je nach Duftnote nur für Nicht-Allergiker geeignet, da sie Schmutz- oder Reizstoffe wie zum Beispiel Blütenstaub enthalten können. Als weniger belastend gelten diesbezüglich die synthetischen Produkte. Sie sind in den verschiedensten Düften und Kompositionen erhältlich und meistens kostengünstiger; dafür aber im Labor hergestellt. Bei der Wahl ist schlussendlich die eigene Vorliebe oder Befindlichkeit ausschlaggebend. Es lohnt sich aber, der Gesundheit und der Nase zuliebe auf hochwertige Produkte zu setzen.

Neben den bekannten Duftkerzen oder Aromalämpchen sind für einen angenehmen Raumduft auch professionelle Geräte erhältlich. Die Erstgenannten sind einfach erhältlich und erschwinglich, haben jedoch den Nachteil, dass sie lokal sehr konzentriert sind, häufig eine offene Flamme haben und vor allem den Duft über Wärme freisetzen. Dadurch werden die Duftessenzen verändert oder gar beschädigt. Spezielle professionelle Raumduftgeräte, die auch für das Eigenheim geeignet sind, setzen dagegen häufig auf die sogenannte Kaltverdunstungstechnologie. «Hierbei wird der Duft nicht über Erhitzung, sondern via Luftstoss oder Vibration abgegeben», erklärt Felix Hoffmann und führt aus: «Das belässt die Essenz rein und hochwertig.» Zudem erlaubt diese Technologie – im Unterschied zu einem punktuell arbeitenden herkömmlichen Duftspray – eine gleichmässige Verteilung im Raum.

«Es besteht ausserdem die Möglichkeit, eine Raumbeduftung über lüftungsintegrierte Geräte zu betreiben », weiss Roland Jaggi. Eine solche Lösung wird vor allem im gewerblichen Bereich eingesetzt, eignet sich aber auch in privaten Minergie-Neubauten, da diese meistens über eine Komfortbelüftung verfügen. In solchen Fällen kann ein Beduftungsgerät im Technikraum installiert und durch einen Schlauch mit der Zuluft verbunden werden. Diese Methode bietet sich an, wenn man alle Räume – oder je nach Positionierung des Anschlusses auch nur Teilbereiche – zentral beduften will.

Die Qual der Wahl

Meistens werden für den Privatgebrauch kleinere, freistehende Geräte verwendet, die nicht in die Lüftung integriert sind, sondern direkt in einem einzelnen Raum aufgestellt werden. «Wir empfehlen, bei der Auswahl darauf zu achten, dass ein Gerät möglichst leise funktioniert. Generell gilt, dass Objekte auf Vibrationsbasis ein grösseres Risiko für Lärmemissionen aufweisen als die Luftstoss-Varianten », sagt Felix Hoffmann. Ebenso sollte man schauen, dass das benötigte Luftvolumen abgedeckt werden kann. Dieses wird entweder in Quadrat- oder Kubikmetern angegeben, wobei ein durchschnittliches Wohnzimmer rund 60 bis 100 Kubikmeter misst.

Des Weiteren kann man zwischen batterie- oder netzbetriebenen Ausführungen wählen, letztere werden je nach Hersteller auch mit Akkus angeboten. Einige Produkte verfügen über eine Bluetooth-Verbindung oder App-Steuerung oder lassen sich so programmieren, dass man die Intensität beziehungsweise die Intervalle der Duftstösse einstellen kann. Die Bedienung erfolgt, je nach Modell, über das Smartphone, eine Fernbedienung oder Bedienknöpfe direkt am Gerät. 

Ebenfalls sollte man berücksichtigen, dass man nur bei wenigen Produkten die Duftessenz beliebig wählen kann. Meistens sind nur die firmeneigenen Kartuschen oder Duftflaschen mit dem Gerät kompatibel, sodass die Auswahl auf das Sortiment des Anbieters beschränkt ist. Und natürlich ist neben dem Duft auch das Design zentral. Von einer diskreten Ausführung bis zum eleganten oder auffälligen Deko-Gegenstand ist für fast jeden Geschmack, jede Nutzungsvorliebe und jedes Portemonnaie etwas zu finden.

Professionelles Duftmarketing

Die Kraft der Düfte wird im geschäftlichen Bereich bewusst angewandt. Nicht nur soll in Gesundheitspraxen und Hotellobbys sowie an Seminaren oder Partys via Geruchssinn eine angenehme oder inspirierende Atmosphäre geschaffen werden. Das gezielte Einsetzen von Raumbeduftung dient ebenso der kommerziellen Optimierung und Umsatzsteigerung. Die Ökonomie benutzt dafür den Begriff Duftmarketing oder, da die Nase den Reiz direkt ans Gehirn weitergibt, auch Neuromarketing.

Beim Duftmarketing soll auf Verkaufsflächen mit speziell angefertigten Duftkompositionen eine bestimmte Grundstimmung erzeugt werden, mit der Absicht, dass sich der Kunde wohlfühlt, länger bleibt und idealerweise wieder in den Laden zurückkehrt. Auch der Wert einer Marke kann durch den Einsatz einer speziell dafür designten Geruchsmischung zunehmen. Hier wird auf eine intuitive Wiedererkennung gesetzt sowie auf das Hervorrufen bestimmter, mit dem Geruch verbundener Emotionen oder Erinnerungen, die sich im Produkt widerspiegeln und die Kaufbereitschaft erhöhen sollen.

Dekoration und Duftdiffusor: Die elegante Stele «Sens Home» integriert sich gut in die Einrichtung und ist in zwei verschiedenen Höhen sowie in Schwarz oder Silber erhältlich. Das Beduftungsgerät verfügt über neun verschiedene Dosierungsstufen, kann rund 70 Quadratmeter Fläche abdecken und ist am Apparat selbst, über Bluetooth oder eine App programmierbar. Von aireau.

Weblinks

Mehr Infos zu den im Beitrag erwähnten Herstellern und Produkten finden Sie auf: