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Alles gratis?

28.02.2018    

Wir kennen das Sprichwort: «Was nüt choschtet, isch nüt wärt». Gerade wir Schweizer wissen doch sehr wohl, dass wir für eine gute Leistung auch einen entsprechenden Gegenwert bezahlen müssen – ob beim Grossverteiler oder beim Detailhändler, ob beim Hausarzt oder beim Theaterbesuch.

Qualität hat ihren Preis. Im Gerechtigkeitswahn, den unsere Gesellschaft immer mehr erfasst, soll das allerdings – so einige TraumtänzerInnen – nicht mehr gelten. Alles für alle «gerecht» gleich wenig, aber dies dann vor allem gratis.

Diese uralte sozialistische Utopie gewinnt neuerdings wieder viel Aufmerksamkeit. Der öffentliche Verkehr soll – siehe aktuell Deutschland – für alle gratis werden. Man verspricht sich damit – und hofft dies auch verzweifelt – dass dann endlich mehr Leute den öV anstatt das eigene Auto benutzen, nachdem sektiererische Aufrufe – etwa jetzt in der Fastenzeit – zum «Autofasten» offenbar nichts fruchten. Tatsächlich gratis? Der Bürgermeister von Tübingen hat gerade kürzlich die Rechnung dafür präsentiert: 16 Mio. Euro pro Jahr zulasten der Allgemeinheit, die über Erhöhungen der lokalen Steuern finanziert werden sollen – bis hin zur Hundesteuer. Von gratis keine Spur; einfach eine Umverteilung auf dem Buckel aller, auch derjenigen, die den öV aus oft durchaus nachvollziehbaren Gründen nicht nutzen (können). Ausserdem: Wie soll das in der Praxis funktionieren, wenn dort dieser Gratis-Bus nur für die Einwohner, aber nicht für die Auswärtigen gelten soll?

Ein «Gratis-Tram» war in unserer Region – konkret in Basel – schon mal vor knapp 50 Jahren ein heisses Thema. Es ist an den Realitäten gescheitert. Und eine kostenlose medizinische Versorgung hat zum Beispiel in England in den 70er-Jahren gewaltig Schiffbruch erlitten, weil diese ach so soziale «Gratis-Versorgung» im unsozialen Chaos geendet hat. Trotz solcher unzähliger Negativ-Beispiele, die in der Praxis krachend gescheitert sind, ist diese «Gratis-Ideologie» aus vielen linken Köpfen nicht zu vertreiben. So frage ich mich denn auch, wie lange es noch geht, bis die «Gratis-Mieten» als Patentlösung für Wohnungsangebots-Defizite gefordert werden – als ob die öden, staatlichen Plattenbauten in der ehemaligen DDR tatsächlich das Gelbe vom Ei gewesen wären. Immer mehr werden schon wieder «plattgemacht». Merke: Gratis ist nur der Tod – und der kostet das Leben!

Präsident
Markus Meier
Landrat, Ormalingen